FORMELL - INFORMELL
Bilder und Skulpturen von Wilhelm Hager (1921 - 2006)

Der 1921 in Karlsbad (heute Tschechien) geborene Künstler Wilhelm Hager fand nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimat in Illingen, Baden-Württemberg. Während des Krieges lernte und studierte er in Karlsbad Porzellanmalerei, in Weimar und Berlin Bildhauerei, bevor er an die Ostfront geschickt wurde, Anfang 1945 wurde er wegen einer schweren Kopfverletzung vom Militärdienst entlassen.

In den 50er Jahren in der jungen BRD fertigt er Porträtbüsten u.a. von Thomas Mann, Hermann Hesse, Theodor Heuss an. Durch diese Arbeiten wurde Wilhelm Hager weiter über die Grenzen von Illingen hinaus bekannt. In seiner Heimat und im Umland zeugen Kriegsgräberdenkmäler, Brunnen und Reliefe für den öffentlichen
Raum von Wilhelm Hagers Könnerschaft und Anerkennung.

Trotz dieser Erfolge, wandte sich Wilhelm Hager in den späten 50er Jahren dem „Informel“ zu. Die Kunst des Informel hat in den fünfzigern und sechzigern Jahren national und international eine bedeutende Rolle gespielt, es wurde eine neue malerische Offenheit gesucht, mit der das überkommene Formverständnis zugunsten eines gestischen prozessualen Moments überwunden werden konnte. Die Bildfläche wird zum Aktionsfeld, die Bildkomposition tritt zugunsten einer gesteigerten Spontanität in den Hintergrund.

Vom Temperament her lag dem Künstler das schnelle Produkt, wobei er dem Bild seinen eigenen Willen zur Formwerdung einräumt. Bei Hagers großformatigen mittels Honigspendern und Heißluftföhn gemalten Lackbildern wurde durch Geschwindigkeit ein Teil der Malkontrolle geopfert. Er überlistete sich durch das gesteigerte Maltempo absichtsvoll, um Zufälliges hervorzurufen und dadurch mit neuen malerischen Problemen konfrontiert zu werden.

44 auf diese Weise hergestellte informelle Aquarelle wurden Anfang der sechziger Jahre von Mailänder Galleria Vinciana ausgestellt, weiter in Venedig, Turin, Florenz und Neapel, Paris, London und New York. Bemerkenswert sind auch Hagers Skulpturen, die aus einem Styroporblock mittels eines florettartigen heißen Drahtes herausmodelliert wurden, anschließend wurden sie aus Alusil, einer Aluminiumlegierung gegossen.

Wilhelm Hager hielt immer Kontakt zu seinem Geburtsort Karlsbad (Karlovy Vary) und ließ dort auch während des kalten Krieges einige Plastiken gießen. In den 70ern unterstützte er die Ostpolitik Willy Brandts. Er erhielt den Kulturpreis der Sudetendeutschen Landmannschaft und die Karlsbad-Plakette, 1997 wurde ihm die Ehrenprofessur von der Fachhochschule für Porzellan in Karlsbad verliehen.

Wilhelm Hager starb 2006, sein Werk in seiner ganzen Bandbreite wird in der Galerie Hager in Illingen in einer Dauerausstellung gezeigt.



Eröffnung Samstag, 10. August 2013, 16.00 Uhr
geöffnet vom 11. bis 25. August 2013 ,
jeweils Donnerstag bis Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 14 Uhr