Uckermark Kurier - Templiner Zeitung / Artikel vom 23.06.2011





Erinnerung an den Vater auf der Leinwand

Von Felix Lange
Spuren im Schnee: Zehn Bilder mit ganz unterschiedlichen Motiven stellt die Malerin
Vera von Wilcken derzeit in der Helenenkapelle aus. FOTO: Felix Lange
Lychen - Zehn Acryl- und Ölbilder auf Leinwand zeigt die Malerin Vera von Wilcken derzeit in der Helenenkapelle in Lychen. Es ist zugleich ihre erste Ausstellung an diesem Ort. Ihre Stillleben und Landschaften, in verschiedenen Größen und mit ganz unterschiedlichen Motiven, verlangen dem Betrachter einiges ab. Er muss inne halten, die Bilder ganz genau anschauen. Farbstarke rote Gerbera oder rosa farbene Hortensien sind zu sehen, manchmal wirken sie verschwommen.

"Ich habe einfach aufgehört zu malen, wenn ich dachte, jetzt stimmt es", sagt die Malerin. Auf der anderen Seite ist ein Schrabber aus Holz dargestellt. Ein Gerät an einem See, das früher zum Verladen von Kies genutzt wurde. Vera von Wilcken hat es nach einem alten Schwarz-Weiß-Foto gemalt. In Erinnerung an ihren Vater, der dieses Arbeitsmittel 1947 gebaut hatte, weil er eine Kiesbaggerei besaß. Daneben drei alte, schwarze Teerwagen. Und dann eine Winterlandschaft mit Reifenspuren und kahlen Bäumen. Gegenüber ein Fisch als Probe für ein anderes Stillleben. Bei ihrer Arbeit "Die Klause" hat die Künstlerin perspektivisch einen Blick nach hinten gewählt und erzielt damit eine große Weite in ihrem Motiv.

Die Bilder sind im Atelier der Künstlerin, in der Galerie Praxis Hagen in der Stargarder Straße 22 entstanden, manche in ihrem Tangersdorfer Zuhause oder beim Pleinair in der freien Natur. Den verwinkelten Raum in der Stargarder Straße 22 hat sie vor gut einem Jahr als Ausstellungsraum und Atelier von der Woba gemietet. Mit ihrem Lebensgefährten, Bert Holterdorf wohnt sie seit vier Jahren in Tangersdorf und möchte ihre Projekte jetzt auch den Uckermärkern nahe bringen. Für sie sei dieser Ort vorwiegend ein Platz zum Arbeiten, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und zwei Freunden bereits in Berlin, Hamburg und London erfolgreich war.

Das Paar sieht sich als mutige Berliner, die aus persönlichen Gründen aufs Land gezogen sind. Vera von Wilcken hat Kunst in Kassel studiert, war im audiovisuellen Bereich für Film und Video zuständig, brachte als Kamerafrau Dokumentarfilme und Videoskulpturen auf die Leinwand. Das Malen steckte schon seit Kindertagen in ihr, sagt sie. 2005 habe sie dann endgültig wieder damit begonnen. Aus einer gewissen Müdigkeit der Nachwendezeit, einer neuen Stimmung heraus und nicht zuletzt wegen des Umzuges in die Uckermark.

Die Bilder in der Verkaufsausstellung von Vera von Wilcken sind in der Helenenkapelle noch bis zum 3. Juli zu sehen. Geöffnet ist sie Mittwoch bis Freitag von 10 bis 16 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr.

Telefon: 039888 527745



© Nordkurier.de am 23.06.2011