Norbert Meier - Afghanistan
Reise ins Ungewisse

Zunächst wollten mein Fotograf Peter (34) und ich alleine mit unserem Landrover nach Afghanistan fahren.

Doch an der Grenze wurde uns dringend empfohlen, einen ortskundigen Führer zu nehmen. Mit Abdul hatten wir viel Glück. Obwohl er als praktizierender Moslem fünf Mal am Tag betete, bewies er doch viel Humor.

Wir fuhren dem Riff-Raff Gebirge entgegen. Hinter den Bergen leuchtete das Morgenrot. Oder war es der Widerschein der Explosionen im Kampfgebiet? Uns beschleicht ein mulmiges Gefühl. Trost spenden die Felder mit roten Blumen, die sich bis ins Gebirge ziehen. Schönheit und Schrecken, so nah liegen sie beieinander.

Vorher
Überall wucherten die roten Pflanzen bevor die Koalition eingriff.

Sinn für Ästhetik? Bei den Afghanen Fehlanzeige.
Das ganze Land eine einzige Monokultur. Auch Abdul erzählte, dass seine Familie schon seit Jahrhunderten nur diese Blumen anbaue.

Rot, rot, rot - die unselige Tradition einer erstarrten, prämodernen Gesellschaft.
Nachher
Schon nach wenigen Monaten konnten die Blauhelme der Koalition erste Erfolge vermelden: Die roten Pflanzen wurden um 40 Prozent reduziert.

Endlich sehen die Afghanen andere Farben als Rot. Während die Stammesältesten skeptisch das Werk der Koalition betrachten, sind es vor allem die jungen Frauen, die unseren Soldaten dankbar für die Farbenpracht sind.
Fernab der Koalition
Wir sind sehr beeindruckt von den Erfolgen der Koalition, doch dann zeigt uns Abdul die Wirklichkeit hinter den offiziellen Statistiken.

Nach zwei Tagen Ritt auf Mauleseln erreichen wir abgelegene Täler durch die keine Strassen führen und die unsere Soldaten noch nie gesehen haben. Wir trauen unseren Augen kaum: Frech pflanzt der Afghane weiter an. Rote Blumen soweit das Auge reicht.
Afghanische Streber im Schrebergarten
So fremd die Kultur auch auf den ersten Blick erscheinen mag, bei einigen Afghanen scheint noch nicht alles verloren:

Nur wenige Kilometer vom Hauptquartier der Koalition entfernt finden wir ordentlich angelegte Gärten mit richtigem, gesunden Gemüse. Blumenkohl, Salat und Kohlrabi, hier werden auch unsere Soldaten freundlich empfangen.
Die Blume des Bösen
"Schön ist sie ja", sagt Peter und fotografiert eine rote Blume in Großaufnahme.

Doch aus der Literatur wissen wir, dass die Schönheit nur Schein ist: Denn wann haben rote Blumen der Menschheit anderes gebracht als Tod und Verderben?

Warum versteht das der Afghane nicht?

Rebellen im Heu
Friedlich liegt die Landschaft vor uns, doch Abdul drängt zur Eile. Er weiss: Die Rebellen verstecken sich nur in den Bergen, sondern können auch in jedem Heuhaufen untergekrochen sein.

Erst nachdem die Bilder entwickelt sind, erkennen wir die Gefahr in der wir geschwebt haben und sind Abdul dankbar für seine Aufmerksamkeit.
Fluch um Flug
Plötzlich tauchen am Horizont Flugzeuge auf. "Die Koalition", ruft Peter, doch Abdul sagt nur: "Illuschin".

Er weiss, was im Westen niemand wissen will: Die Warlords der Rebellen verfügen über erbeutete russische Militärmaschinen. Diese werden benutzt, um den Bauern bei der Aussaat zu helfen. Ein Problem, dass die Koalition noch lösen muss.
Die Kuh der Afghanen
Typisch Afghanistan: Die Menschen leben in kargen Katen auf hartem Lehmboden, die Blumen jenseits des Flusse dagegen wachsen auf saftigen Weiden.

Was dem Inder die Kuh, ist dem Afghanen die rote Blume. Es werden noch Jahrzehnte vergehen, bis unsere Werte hier richtig verwurzelt sind.
Der Traum von Demokratie
Nach wochenlanger Recherche kehren wir voller Eindrücke zurück. Wir wissen: Die Koalition kämpft für eine gerechte Sache.

Doch wie sieht die Zukunft aus?

Wir schlagen die Einführung der Dreifelderwirtschaft vor.

Denn der Traum von Demokratie lebt auch am Hindukusch.